1945

Unreflektierter Scheiß

Da im Augenblick immer mehr von den Bildern mit Sprüchen wie rechts zu sehen durch mein virtuelles Internet Sichtfeld trudeln mal ein Statement von mir an dieser Stelle, Es ist etwas länger geworden als beabsichtigt und ich habe mir schon vieles verkniffen. Für ernst gemeinte Gespräche stehe ich gerne zur Verfügung, Trolle werden ignoriert.

1945 vs. mein Geburtsjahr

Ich bin auch deutlich nach 1945 geboren, auch wenn ich mit meiner Haarfarbe oder eher der nicht mehr vorhandenen auch schon mal älter geschätzt werde. Aber diese ganzen „Ich schulde der Welt einen Scheiß“ Sprüche sehe ich dennoch etwas zwiespältig.

Auch ich habe das Gefühl das uns immer wieder eine kollektive Erbschuld aufgezwungen werden soll. Auch ich wehre mich dagegen für Etwas verantwortlich gemacht zu werden das ich nicht getan habe.

Aber ich wehre mich auch dagegen mich von unserer Vergangenheit loszusprechen. Der Mensch ist ein Wesen das ohne Gewissen und Erfahrungen geboren wird. Erst die eigenen Erfahrungen und das Vorleben von Miteinander durch Eltern, Familie, Freunde und die Gesellschaft formt ein Normengefühl das letztendlich auch das Gewissen bildet.

Jetzt habe ich gerade geschrieben das ich mich wehre mich von unserer Vergangenheit loszusprechen, ja aber: ich meine damit die Vergangenheit der Menschheit. Dazu gehören die Unterdrückungs- sorry Eroberungskriege des Römischen Reich genau so wie die Indianerreservate oder das chinesische Kaiserreich. Und dazu gehören natürlich auch der 2. Weltkrieg genauso wie die IS oder die Taliban. (Mal sehen wo jetzt der Suchwortfilter anspringt 🙂 )

Ich lebe in einer Zeit in der die Welt so groß ist wie ein Sandkorn, das Internet überbrückt Grenzen und Kontinente und es ist mir scheiß egal aus welchem Land jemand kommt oder welche Religion er hat. Ich unterhalte mich in dieser virtuellen Welt mit jedem solange ich die Sprache beherrsche oder man sich auf eine gemeinsame Kommunikationsbasis einigen kann. Emails, Chats oder Fotos sind in Sekundenbruchteilen genau so beim Nachbarn wie auf der anderen Seite unseres gemeinsamen Planeten.

Ein gemeinsames leben auf diesem Sandkorn ist nur möglich wenn jeder lernt tolerant und weltoffen mit seinem Gegenüber umzugehen. Genau deswegen sollte jeder aus der Vergangenheit lernen es besser zu machen. Dazu gehört es sich mit eben dieser Vergangenheit auseinander zu setzen. Für uns deutsche bedeutet das uns den Fehlern der Vergangenheit zu stellen und unsere lehren daraus zu ziehen. Für die Amerikaner bedeutet das zu lernen das die Meisten von ihnen als Kinder von Gäste auf dem Kontinent leben der ihnen Gottgegeben erscheint. Dem geneigten Leser werden sicherlich noch weitere Beispiele einfallen, ich habe keine Lust alle hier aufzuführen. Das würde den Ramen sprengen.

Die Problem des 21 Jahrhundert sind nicht durch engstirnige Regierungen zu lösen, die nur in den Grenzen ihres Landes denken. Auch die EU ist „nur“ eine kleine Regierung deren Politiker-Gehirne eine virtuelle Grenze an den Außenrändern der EU ziehen. Despoten haben auf unserem Sandkorn genau so wenig zu suchen wie Parlamente die nur aus national Ego (Größenwahn) und Waffen für jeden Bürger bestehen (welche beiden habe ich wohl gemeint?).

Ihr wollt keine Ausländer in Deutschland haben? Dann sorgt doch einfach mal dafür das die Menschen weder aus politischen noch wirtschaftlichen Gründen ihr Land, ihre Heimat, ihre Familien und ihre Wurzeln verlassen müssen. Dann sorgt doch dafür das die Menschen in ihrem Zuhause wieder Hoffnung und Zukunft finden können.

Dazu reicht es aber nicht sich hinter der BILD zu verstecken und zu denken das ein Container mit Decken reicht, Hauptsache die Steuern werden nicht erhöht. Habt ihr euch mal überlegt auf was für einem hohen Niveau ihr heult? Dort wo das einzige Problem die Wahl zwischen der feinen oder groben Bratwurst für den Grill am Abend besteht sollte sich lieber mal Gedanken gemacht werden das es Menschen gibt deren tägliche Entscheidung es ist selber zu hungern und ihren Kindern was zu Essen zu geben oder sich den Versprechungen der Schlepperbanden hinzugeben und für das bisschen Geld das der Verkauf alles Hab und Gut bringt auf einen klapprigen Kahn zu setzen und in das Land wo Milch und Honig fließen zu ziehen.

Oh ja, jetzt ist der Punkt wo in der Eckkneipe jemand ruft „Wir haben aber für unseren Wohlstand hart gearbeitet.“. Ist es keine harte Arbeit jeden Tag auf dem Acker unter der Gluthitze zu versuchen dem ausgebrannten Land wenigstens so viel abzugewinnen um nicht sterben zu müssen und zuzusehen wie die Überproduktion der Wohlstands(bauch)staaten, getarnt als humanitäre Hilfe, die Preise für die eigene Ernte ins bodenlose sinken lässt.

Jede Parole die weniger Einwanderung fordert oder wieder Grenzkontrollen haben will zeugt nach meiner Meinung von fehlendem Denken und pervertierten Moralvorstellungen auf Rückenmark Niveau. Denn wer sein Gehirn einschaltet und nachdenkt merkt sehr schnell das genau solche Parolen die Probleme unseres Sandkorn nur vergrößern.

So und um den Bogen zu schließen, ich habe recht weit ausgeholt, genau das sind die Gründe warum ich diese flachen Sätze wie „Ich bin nach 1945 geboren, ich schulde der Welt einen Scheiß“ für unreflektiert und zu kurz gedacht halte.

P.S.: Im übrigen halte ich mich selber nicht für „Linksextrem“ sondern eher für „Linksintelligent“. Ich renne auch nicht einfach jeder Sozialparole hinterher sondern hinterfrage auch Dinge wie BGE oder Mindestlohn.